„Erinnern Sie sich? Erinnern Sie sich!“

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Public Viewing im öffentlichen Raum – Gegen das Vergessen

Termin: Freitag 8 Mai, 20:30 – 21:10
Orte: Geidorfplatz | Karmeliterplatz | Freiheitsplatz | Eisernes Tor | Augarten
Veranstalter_in: Komitee 8.Mai

Da Fremdenhass, Diskriminierung und religiöse Verfolgung heute wieder verstärkt geschehen, muss umso deutlicher an die Ereignisse im dunkelsten Kapitel unserer Geschichte erinnert werden.

Denn: Vergessen ist einfach, Erinnern ist schwer.

Im Rahmen der Gedenkveranstaltungen zum 8. Mai wird deshalb der Kurzfilm „Erinnern Sie sich?“ von Heinz Trenczak an fünf Orten in Graz in einem simultanen „Public Viewing“ gezeigt: an genau jenen Plätzen, wo die NS-Mahntafeln von Jochen Gerz – „63 Jahre danach“ – bis zum Juli 2014 standen und vor ihrer Demontage noch auf Video festgehalten werden konnten.

Ein dreifaches Erinnern: an die Ereignisse im Jahr 1938, an das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa am 8. Mai 1945 sowie an die Entfernung der NS-Mahntafeln von Jochen Gerz.

Von ursprünglich zwölf NS-Mahntafeln, die Gerz im Auftrag des Landes Steiermark im Jahr 2010 in Graz realisiert hatte, steht nur noch eine – vor der Burg, weil der Gehsteig an dieser Stelle Landes- und nicht Stadtgrund ist. Den Abbau aller anderen Tafeln hatte der Grazer Stadtrat Mario Eustacchio (FPÖ) verfügt. Wir konnten den Abbau der vorletzten Tafel – ausgerechnet in Blickweite der Synagoge! – noch dokumentieren. „Erinnern Sie sich?“ schrieben am selben Tag die Jungen Grünen Graz und die Sozialistische Jugend Steiermark auf ihre Protestposter. So heißt auch unser Film.

Zum Film: ERINNERN SIE SICH?

Film von Heinz Trenczak
Österreich 2014 | F & s/w | 12 Minuten
Kamera | Regie | Produktion: Heinz Trenczak
Schnitt | Farbkorrektur | Mix: Christoph Schmid
Sprecher: Peter Matić
Musik: Vitaliy Patsyurkovskyy, Akkordeon
Vis-à-vis Film © 2014

Terminüberblick Mai

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Verdrängt – Erinnern und Gedenken: Der 8. Mai als umkämpfter Erinnerungstag der Zweiten Republik

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Dienstag 5. Mai 2015, 19:00, Forum Stadtpark

Was kann bzw. soll gelebte Erinnerungskultur leisten?

Am Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus laden das Komitee 8.Mai und das FORUM STADTPARK dazu ein, Antworten darauf für den Alltag und die politische und kulturelle Praxis auf diese Frage zu finden.

Zusammensetzung der Podiums

Karin Schmidlechner-Lienhart: Professorin für Zeitgeschichte am Institut für Geschichte der Universität Graz. Forschungsschwerpunkte: Frauen-und Geschlechtergeschichte, Oral-History, Kriegs- und Nachkriegszeiten, Migration und Gender.

Karl Pfeifer:
Jahrgang 1928. Im Alter von 10 Jahren Flucht mit seinen Eltern nach Ungarn. Mit 14 gelingt ihm die Auswanderung nach Palästina, wo er nach einer Ausbildung im Kibbuz im israelischen Unabhängigkeitskrieg kämpft. 1951 kehrt er nach Europa zurück, arbeitet seit 1979 als Journalist in Wien, schreibt u. a. für die Wiener Illustrierte Neue Welt und die Berliner Wochenblätter Jüdische Allgemeine und Jungle World.

Natascha Strobl:
Polikwissenschaftlerin und Skandinavistin und ist bei der Offensive gegen Rechts (OGR) aktiv. Sie hat ihr Studium mit einer Arbeit zur sog. „Neuen Rechten“ abgeschlossen, war als Sachbearbeiterin an der ÖH Uni Wien intensiv um die antifaschistische Schulungsarbeit bemüht und betreibt den Blog „Schmetterlingssammlung“.

Ines Aftenberger:
Sie studierte Geschichte an der Karl-Franzens Universität Graz und befasst sich schwerpunktmäßig mit den Themen Rechtsextremismus und Neorassismus. Darüber hinaus engagiert sie sich als Aktivistin gegen das Erstarken rassistischer Anschauungen und neonazistischer Umtriebe.

Daniela Grabe:
Obfrau des Vereins für Gedenkkultur in Graz (Stolpersteine) und Gemeinderätin in Graz (Grüne). Der Verein für Gedenkkultur in Graz setzt sich für die Förderung der Gedenkkultur in Graz ein, insbesondere die Förderung des sichtbaren und öffentlichen Gedenkens und des Erinnerns an die Opfer des Nationalsozialismus.

Therese Krutzler (Moderation): Aktivistin beim freien Sender Radio Helsinki (92,6) in Graz, wo sie v.a. am Nachrichtenmagazin „Von Unten“ mitwirkt.

Am 8. Mai 1945 erfolgte die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Das Datum markiert somit das endgültige Ende der NS-Herrschaft in Europa. Nach einer kurzen Phase, in der an die Verbrechen des NS-Regimes erinnert wurde, kam es ab den 1950er Jahren zu Totengedenkfeiern, die erinnerungspolitisch von Heimkehrerverbänden wie dem Kameradschaftsbund (ÖKB) dominiert waren. Auch die deutschnationalen Burschenschaften veranstalteten ab den frühen fünfziger Jahren eigene „Gefallenenehrungen“ und befanden sich hierbei im gesellschaftlichen Mainstream. Der 8. Mai galt für Teile der Bevölkerung als Tag einer fürchterlichen Niederlage, an dem jährlich den getöteten Wehrmachtssoldaten gedacht und das Leiden am Krieg thematisiert wurde. Der Nationalsozialismus und seine Verbrechen blieben ebenso ausgespart, als auch eine Differenzierung zwischen TäterInnen und Verfolgten bzw. Ermordeten unterblieb.

Erst in den letzten Jahrzehnten setzte eine langsame Umdeutung des 8. Mai vom Trauertag zum Feiertag ein. Das „Komitee 8. Mai“, eine Plattform mehrerer Grazer Vereine und Organisationen, hat es sich zum Ziel gesetzt, den Aspekt der Befreiung vom Faschismus stärker erinnerungspolitisch zu akzentuieren.

VeranstalterIn: Komitee 8. Mai (Komitee 8. Mai/erinnern-graz.at)

Terminüberblick April

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Erinnern heißt Handeln gegen Nazis, Rassismus und Sozialabbau!

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Mehr Infos: http://braunau-gegen-rechts.at/aufruf
Termin: Samstag, 18. April um 15 Uhr
Ort: Bahnhof Braunau/Inn
Veranstalter_in: Bündnis „braunau gegen rechts“
Kontakt: ksv@comunista.at

Das Bündnis „braunau gegen rechts“ ruft am Samstag, dem 18. April 2015, zu einem breiten und entschlossenen antifaschistischen Protest auf: Gehen wir gemeinsam auf die Straße und setzen wir ein starkes Zeichen dafür, dass Neonazis in unserer Stadt keinen Platz haben.

Millionen Tote und halb Europa in Schutt und Asche. Das war das Ergebnis von 12 Jahren Nazi-Tyrannei. Gerade im heurigen Gedenkjahr 2015, in dem sich die Befreiung vom NS-Faschismus zum siebzigsten Mal jährt, erinnern wir vielerorts an die grausamen und schrecklichen Verbrechen dieser Zeit. Das ist auch gut und wichtig so. Gleichzeitig braucht es aber auch eine kritische und offene Auseinandersetzung mit dem heutigen Rechtsextremismus – und gerade hier droht das „offizielle“ Österreich in vieler Hinsicht zu versagen!

Gedenklandschaft die andere Steiermark

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Geschichtswerkstätten mit Videoproduktion zu regionaler Zeitgeschichte.

Anmeldung: Bei MMag.a Bianca Angerer: +43 3862/57380-13, bianca.angerer@argejugend.at
Abhaltung: Nach Vereinbarung zwischen 23. April und 9. Mai
Veranstalter_in: ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus

Unter dem Motto „Erinnern, nicht aufrechnen“ entwickelte die ARGE Jugend mit den regionalen Projektpartnern eine neue Kultur des Erinnerns und Gedenkens als Medium einer zukunftsbezogenen Demokratie- und Menschenrechtsbildung. Diese neue Erinnerungskultur möchte im (selbst)reflexiven Eingedenken an die Opfer des Faschismus die zeitgeschichtliche Dimension der Gedenkarbeit in deren Kontinuitäten und Zäsuren zu aktuellen politischen Fragen begreifbar machen.

Die Teilnehmer_innen der Geschichtswerkstatt erhalten zunächst eine umfassende inhaltliche Einschulung, bevor sie in einer intergenerativen Dialogveranstaltung die regionale Geschichte aufarbeiten und die Orte des Geschehens zusammen besichtigen. Dies wird filmisch festgehalten und in Form von Kurzclips für die Veröffentlichung aufbereitet. Auch die lokale Bevölkerung kann in Form von Straßeninterviews mit einbezogen werden.
Über Videointerviews gewährleisten wir die Sicherung des steirischen Zeitzeug_innenschatzes, um die Erinnerungen der steirischen ZeitzeugInnen für die Nachwelt zu dokumentieren. Diese intergenerativen Interviews werden von Jugendlichen durchgeführt und von professionellen Kameraleuten gefilmt. Die Jugendlichen erhalten diesbezüglich im Vorfeld eine fundierte Einschulung über Gesprächsführung und Interviewtechniken, um so zielführende Dialogprozesse zu ermöglichen. Auch inhaltlich werden die jungen Menschen umfassend für die Gespräche gecoacht. Das Ziel ist, die jungen Menschen dazu ermuntern, sich aktiv und kreativ mit Geschichte auseinanderzusetzen und mit den noch lebenden ZeitzeugInnen ins Gespräch zu kommen. Dabei stehen der Dialog und die intergenerative Begegnung im Vordergrund. Die filmischen Aufzeichnungen werden im Anschluss geschnitten und den Gemeinden zur Verfügung gestellt. Zudem werden diese Clips auf der bereits bestehenden Online-Plattform www.generationendialog-steiermark.at platziert und dienen dem weiteren Aufbau dieses öffentlichen und virtuellen Archivs.

Marsch des Lebens Graz

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Mehr Information: http://www.schalom-austria.at/marsch-des-lebens-graz.html

Vorführung des Films „Totschweigen“
Termin: Samstag, 18. April um 19 Uhr
Ort: Bit Schulungszentrum, Kärntner Straße 311, 8054 Graz

Marsch von Liebenau über Belgierkaserne zum Feliferhof
Termin: Sonntag, 19. April um 10 Uhr
Treffpunkt: Lager Liebenau, Andersengasse 34, 8041 Graz
Veranstalter_in: Schalom – Biblisches Leben

Anmeldung für Filmvorführung und Gedenkmarsch: http://mdlgraz.weebly.com
Anmeldeschluss ist am 12. April!
Die Teilnehmer_innenliste des Gedenkmarsches muss an das Militärkommando Steiermark weitergegeben werden. Benötigt werden Vor- und Zuname, Geburtsdatum und Staatsangehörigkeit. Bei Teilnehmer_innen nichtösterreichischer Staatsbürgerschaft zusätzlich Wohnanschrift und Reisepassnummer. Alle Teilnehmer_innen werden gebeten, einen gültigen Ausweis mitzuführen.

Gedenk- und Versöhnungsmärsche an Orte des Holocaust in Europa. Die Nachkommen der Tätergeneration finden Worte, die ihre Väter und Großväter nicht finden konnten. Ein Zeichen gegen modernen Antisemitismus und für Israel.

In Graz gab es zur NS-Zeit 36 Arbeitslager, wovon das größte in der Liebenau war. Hier gibt es die genauesten Recherchen, zu lesen in dem Buch „Das Lager Graz-Liebenau in der NS-Zeit“ von Barbara Stelzl-Marx.

Es gibt Luftaufnahmen vom Jahr 1945, die auf mögliche Massengräber in Graz Liebenau hinweisen. Auf zugeschüttete Bombentrichter und Gruben wurden Häuser gebaut, teilweise ohne Keller. Vieles wurde zubetoniert und die Bauakten davon sind verschwunden. Herr Dr. Possert leitet das SMZ (Sozialmedizinische Zentrum) in Liebenau und ist sehr aktiv, um diese Vergangenheit aufzuarbeiten.

Wir wollen ein öffentliches Zeichen setzen, indem wir vom Lager Liebenau zur Belgierkaserne und von dort zum Feliferhof gehen. Es werden Überlebende, Nachkommen, Politiker, Historiker, Betroffene zu Wort kommen. Wir möchten uns bei diesem Marsch auch an den Todesmarsch vom Außenlager Leibnitz, der am 18. April 1945 in Ebensee einlangte, erinnern.

Lesungen „Mein Vater, der Deserteur“ – „Die blaue Brosche“

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Mehr Infos: http://www.clio-graz.net
Termin: Donnerstag, 16. April um 20 Uhr
Ort: Literaturhaus Graz, Elisabethstraße 30, 8010 Graz
Veranstalter_in: CLIO in Kooperation mit dem Literaturhaus Graz

Lesung René Freund – Mein Vater, der Deserteur
Gerhard Freund ist achtzehn, als er zur Wehrmacht eingezogen wird; Mitte August 1944 soll seine Einheit an der Schlacht um Paris teilnehmen. Der junge Soldat erlebt die sinnlose Brutalität des Kampfes und desertiert. Er wird von der Résistance festgenommen und von amerikanischen Soldaten vor der Erschießung gerettet. Mehr als sechzig Jahre später liest René Freund das Kriegstagebuch seines verstorbenen Vaters, stöbert in Archiven, spricht mit Zeitzeugen und fährt nach Paris, auf der Suche nach einem schärferen Bild von seinem Vater – und der eigenen Familiengeschichte.

Lesung Max Kübeck – Die blaue Brosche
Was passiert, wenn in einer alten und angesehenen Adelsfamilie Tabubrüche begangen werden? Der Goldschmied und Juwelier Stefan Maria, Vater des Chronisten, landet in Gestapohaft – laut Überlieferung wegen einer jüdischen Großmutter, in Wirklichkeit wegen einer anonymen Anzeige aufgrund homosexueller Neigung. Zu den Verboten der Zeit kommen die Zwänge der adeligen Herkunft. Ein offizielles „Coming out“ kann es erst Jahre später vom Nachkommen Max geben, mutig für sich, aber auch stellvertretend für das Verschwiegene.

Max Kübeck erzählt die Biografie seiner Familie und gleichzeitig von vom Schicksal aufgrund ihrer Homosexualität durch das NS-Regime Verfolgter. Die vergessenen Dokumente, die aus dem Dunkel der familiären Keller und Dachböden auftauchen, fügen sich zu einem gelungenen Gesamtbild einer Familienchronik, die geprägt ist von Verleumdung, Stillschweigen und der Methode des gezielten Vergessens.