Verdrängt – Erinnern und Gedenken: Der 8. Mai als umkämpfter Erinnerungstag der Zweiten Republik

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Dienstag 5. Mai 2015, 19:00, Forum Stadtpark

Was kann bzw. soll gelebte Erinnerungskultur leisten?

Am Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus laden das Komitee 8.Mai und das FORUM STADTPARK dazu ein, Antworten darauf für den Alltag und die politische und kulturelle Praxis auf diese Frage zu finden.

Zusammensetzung der Podiums

Karin Schmidlechner-Lienhart: Professorin für Zeitgeschichte am Institut für Geschichte der Universität Graz. Forschungsschwerpunkte: Frauen-und Geschlechtergeschichte, Oral-History, Kriegs- und Nachkriegszeiten, Migration und Gender.

Karl Pfeifer:
Jahrgang 1928. Im Alter von 10 Jahren Flucht mit seinen Eltern nach Ungarn. Mit 14 gelingt ihm die Auswanderung nach Palästina, wo er nach einer Ausbildung im Kibbuz im israelischen Unabhängigkeitskrieg kämpft. 1951 kehrt er nach Europa zurück, arbeitet seit 1979 als Journalist in Wien, schreibt u. a. für die Wiener Illustrierte Neue Welt und die Berliner Wochenblätter Jüdische Allgemeine und Jungle World.

Natascha Strobl:
Polikwissenschaftlerin und Skandinavistin und ist bei der Offensive gegen Rechts (OGR) aktiv. Sie hat ihr Studium mit einer Arbeit zur sog. „Neuen Rechten“ abgeschlossen, war als Sachbearbeiterin an der ÖH Uni Wien intensiv um die antifaschistische Schulungsarbeit bemüht und betreibt den Blog „Schmetterlingssammlung“.

Ines Aftenberger:
Sie studierte Geschichte an der Karl-Franzens Universität Graz und befasst sich schwerpunktmäßig mit den Themen Rechtsextremismus und Neorassismus. Darüber hinaus engagiert sie sich als Aktivistin gegen das Erstarken rassistischer Anschauungen und neonazistischer Umtriebe.

Daniela Grabe:
Obfrau des Vereins für Gedenkkultur in Graz (Stolpersteine) und Gemeinderätin in Graz (Grüne). Der Verein für Gedenkkultur in Graz setzt sich für die Förderung der Gedenkkultur in Graz ein, insbesondere die Förderung des sichtbaren und öffentlichen Gedenkens und des Erinnerns an die Opfer des Nationalsozialismus.

Therese Krutzler (Moderation): Aktivistin beim freien Sender Radio Helsinki (92,6) in Graz, wo sie v.a. am Nachrichtenmagazin „Von Unten“ mitwirkt.

Am 8. Mai 1945 erfolgte die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Das Datum markiert somit das endgültige Ende der NS-Herrschaft in Europa. Nach einer kurzen Phase, in der an die Verbrechen des NS-Regimes erinnert wurde, kam es ab den 1950er Jahren zu Totengedenkfeiern, die erinnerungspolitisch von Heimkehrerverbänden wie dem Kameradschaftsbund (ÖKB) dominiert waren. Auch die deutschnationalen Burschenschaften veranstalteten ab den frühen fünfziger Jahren eigene „Gefallenenehrungen“ und befanden sich hierbei im gesellschaftlichen Mainstream. Der 8. Mai galt für Teile der Bevölkerung als Tag einer fürchterlichen Niederlage, an dem jährlich den getöteten Wehrmachtssoldaten gedacht und das Leiden am Krieg thematisiert wurde. Der Nationalsozialismus und seine Verbrechen blieben ebenso ausgespart, als auch eine Differenzierung zwischen TäterInnen und Verfolgten bzw. Ermordeten unterblieb.

Erst in den letzten Jahrzehnten setzte eine langsame Umdeutung des 8. Mai vom Trauertag zum Feiertag ein. Das „Komitee 8. Mai“, eine Plattform mehrerer Grazer Vereine und Organisationen, hat es sich zum Ziel gesetzt, den Aspekt der Befreiung vom Faschismus stärker erinnerungspolitisch zu akzentuieren.

VeranstalterIn: Komitee 8. Mai (Komitee 8. Mai/erinnern-graz.at)